Chris Jarrett spielt live zu Eisensteins Stummfilmklassiker Panzerkreuzer Potemkin (1925)
Neben seinen Auftritten als Solo- und Trio-Pianist und seinen Engagements
als Ballet- und Filmmusik-Komponist hat Chris Jarrett eine Komposition zu
Eisensteins klassischem Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin geschrieben.
Thema dieses Films, der als eines der herausragenden Werke der
Filmgeschichte gilt, ist der Volksaufstand im Jahre 1905 in Russland.
Chris Jarretts ganz eigenständige, teils durchkomponierte, teils
improvisierte Partitur unterstreicht die antimilitaristische Botschaft
Eisensteins. Seine Musik ist aber weit mehr als nur Begleitung zum Film
- sie wirkt auf eine ganz persönliche Art kommentierend und ergreift
Partei für die Unterdrückten.
Eisenstein hält sich im Wesentlichen an die historische Vorlage des
Matrosenaufstandes von 1905. Nach den
Niederlagen im Russisch-Japanischen Krieg verschärft sich in der
Schwarzmeerflotte der Druck des Offizierskorps auf die Mannschaften.
Die Unruhe unter den Matrosen wird größer und bolschewistische
Kader planen für September einen Flottenaufstand. Am 14. Juni weigert
sich eine Gruppe von Matrosen auf dem Panzerkreuzer "Fürst
Potemkin von Taurien" verdorbenes Fleisch zu essen. Als die Matrosen
erschossen werden sollen, meutert die gesamte Mannschaft. Die Offiziere
werden festgenommen, das Schiff läuft in den Hafen von Odessa ein,
um einen von den Offizieren ermordeten Matrosen zu bestatten. Die
streikenden Odessaer Arbeiter solidarisieren sich mit den
Aufständischen, hoffen gemeinsam auf eine Befreiung vom Zarenjoch...
Panzerkreuzer Potemkin gilt als das herausragende
Meisterwerk der Stummfilmklassik. Seine Aufführung im Deutschland der
Weimarer Republik war begleitet von unzähligen Zensurmaßnahmen und
Verboten. Der damalige Reichswehrminister verbot allen Soldaten den Besuch
des Filmes, weil er die Wehrkraft zersetze.
TAZ, Berlin:
"Die Komposition folgt vom Anfang bis zum Ende Eisensteins suggestiver
Montage. Zugleich gelingt es Jarrett, die gelegentliche Sentimentalität,
die weihnachtsmärchenhafte Schwarzweißmoral des Films zu
relativieren: Wenn der Anführer der Rebellen tot ist, spielt der
Pianist keinen Trauermarsch, sondern eine verzagte, tieftraurige Ballade -
wo Eisenstein einige Zeit braucht, um von der Weinerlichkeit der
Totenklagen wieder wegzukommen, ist Jarret schon weiter, aus der Ballade
ist ein unaufdringlicher, schwermütiger Blues geworden. Dann
verbünden sich die Proletarier von Odessa mit den Matrosen des
Panzerkreuzers - die Musik nimm die gewalttätigen Baßschläge
vom Beginn der Revolution wieder auf. Wann immer man sich an eingängige
illustrierende Harmonien gewöhnen möchte, bricht Jarrett seine
Musik durch kleine dissonante Variationen auf. Eine perfekte Filmpatitur,
technisch und emotional erstklassig gespielt."
Bergische Morgenpost, Remscheid:
"In engem Kontakt zum Filmgeschehen entwickelt er mit Virtuosität
den Kampf der aufeinander zu drängenden Kräfte, nicht einfach dem
Film folgend, sondern fast umgekehrt: Der Film scheint dem Musikgeschehen,
seiner Dramatik zu gehorchen."
OZ, Rostock:
"Er hielt sich an den formalen, fünfaktigen Aufbau, erzeugte
permanent Spannung durch fein eingearbeitete Momente der Vorwegnahme der
Szenenwechsel und erleichterte dem Zuschauer durch klare Haltung im
motivischen Spiel das Filmverständnis."